Der Jahrgang 2011 war durchweg voller Überraschungen für uns im Weingut St.Urbans-Hof und hat uns zeitweise sogar richtig in Atem gehalten. Der April war so warm, dass man fast von einem frühlingslosen Übergang vom Winter in den Sommer sprechen kann. Die Reben begannen einen ganzen Monat früher auszutreiben als in normalen Jahren. Die Triebe hatten im Mai schon fast eine Länge erreicht, dass man Sie hätte aufbinden können als Deutschland von einem nächtlichen Maifrost von minus zwei Grad Celsius heimgesucht wurde.
Wenn Sie jetzt denken, dass an der Mosel damit alle Reben erfroren waren, unterschätzen Sie das Mikroklima einer Region, die schon den Römern als ausgebrochen klimatisch begünstigt erschien. Die Mosel war eines der wenigen Deutschen Weinbaugebiete, in dem der Frost keinen Schaden angerichtet hat. Lediglich in manchen Senken, in denen in den Wachstumsjahrzehnten des letzten Jahrhunderts Weinberge angepflanzt wurden, gab es Schäden. Der St.Urbans-Hof war so gut wie gar nicht betroffen.
So früh wie der Austrieb fand, auch die Blüte statt. Dank trockenem und warmem Wetter konnten wir gute Fruchtansätze verzeichnen. Im Sommer, der vielen Menschen in Deutschland recht kühl vorkam, hatten wir das Wetter, das die Rebsorte Riesling bevorzugt. Keine zu hohen Temperaturen, aber genug Wärme um perfekt wachsen zu können. Hin und wieder gab es Schauern, sodass kein Trockenstress aufkam. Es gab aber auch keine zu langen und kühlen Regenphasen. Alles bestens also.
Im August aber suchte ein verheerender Hagelsturm Teile der Mosel heim. Auch hier kamen unsere Weinberge in Leiwen und Piesport mit einem blauen Auge davon. Andere Weinbaugemarkungen hatten nicht so viel Glück und mussten beträchtliche Schäden hinnehmen. An der Saar gab es während des ganzen Jahres keinen Hagel.
Die Tatsache, dass die Trauben bei Traumhaftem Wetter sehr früh gold gelb reif und gesund waren, verleitete uns nicht dazu auch früh zu lesen. Für uns bot dies die Gelegenheit ein unglaublich großes Potential voll auszunutzen und die Trauben zu einer umso höheren Reife zu bringen. Und wir hatten Glück. Bescherte uns der Herrgott doch einen goldenen Oktober wie im Bilderbuch. Wir konnten die Trauben lange am Stock reifen lassen und wurden mit anspruchsvollen Qualitäten und vollen Fässern gesegnet. Der Heilige Urban, Schutzpatron der Winzer, verhalf uns in der Leiwener Laurentiuslay und im Piesporter Goldtröpfchen sogar zu zwei beachtlichen Trockenbeerenauslesen von jeweils 270 Grad Oechsle. So etwas gab es bei uns noch nie. Neben kraftvollen und edlen trockenen Weinen haben wir auch saftige feinherbe Weine und elegante Kabinett und Spätlesen geerntet. Da kann man wirklich sagen: "Was für ein Jahrgang!"


